Donnerstag, 18. Januar 2018

Mein innig geliebter Tellerrock


Es gibt Kleidungsstücke, die wandern so schnell in meinen Kleiderschrank, dass irgendwie gar keine Zeit für Fotos ist. So geschehen auch bei diesem Tellerrock. Das war Liebe von dem Moment an, als ich die letzte Naht genäht habe - dabei ist an dem Schnitt nichts besonders. Es ist "nur" ein voller Teller mit Formbund und Taschen. Den Rock habe ich Anfang 2017 genäht, die tollen Fotos (bei denen ich mich gar nicht entscheiden konnte) hat Anna (zwergenstücke) im Sommer gemacht (vielen Dank dafür), und jetzt endlich, Anfang 2018, schreibe ich den Blogpost. So lange "Laufzeiten" gibts bei mir sonst überhaupt nicht.

Auf die Idee zu dem Rock kam ich durch das tolle Tragegefühl meines 2016er Weihnachtskleides, bei dem hatte ich mich nach Jahren endlich wieder an einen ganzen Tellers getraut und war positiv überrascht. Ich denke, das Problem an dem letzten Tellerrock (Mary Poppins) war, dass dieser aus billiger Seide und ohne Futter genäht war. Das machte keinen Spaß. Wohin gegen der Rock vom Weihnachtskleid dank des Futters wunderbar mitschwingt und beim Laufen tolle "wusch, wusch"-Geräusche macht.


Ich wusste genau, wie der Rock aussehen sollte, und so habe ich das Rockteil vom Weihnachtskleid (Butterick B5984), die Taschen vom Hollyburn-Rockschnittmuster (Sewaholic) und meinen Universal-Formbund verwendet.

Den Formbund hat mir vor inzwischen bestimmt x-Jahren "meine" Schneiderin für mich erstellt und seitdem verwende ich diesen gerne in Kombination mit bundlosen Rockschnittmustern.
Den Formbund hatte ich länger nicht mehr verwendet und war mir unsicher, ob der noch passt. Zur Sicherheit habe ich mit etwas weniger Nahtzugabe an der hinteren Mitte genäht, als der Reißverschluss drin war (wenn Paspeln im Spiel sind immer besonders tricky), habe ich gemerkt, dass der Rock einen Tick zu groß ist und nicht in der Taille bleibt. Jetzt darf der Rock eben ein bisschen tiefer sitzen (verglichen mit meinen normalen Taillenröcken).


Der Hollyburn-Rock, von dem ich die Taschen verwendet habe (Schnitt bereits dreimal genäht, Variante 1 mit gemusterten Taschen, Variante 2 + 3 etwas dezenter), ist kein kompletter Teller, und so haben die Taschen nicht zu meinem Rockschnittmuster gepasst. Das habe ich dann noch angepasst und heraus kam ein eher komisch geformtes Schnittteil. Ich war zunächst misstrauisch, ob das so passt. Aus Sorge, dass bei dem Tellerrock die Eingriffe zu klein sein könnten, habe ich diese in Richtung Mitte (also nicht nach unten) vergrößert. Am fertigen Rock kommt mir der Tascheneingriff zu groß vor - beim nächsten Mal mache ich diese wieder ein bisschen kleiner.

Den verwendeten Soft-Fischgrät hatte ich mir eigentlich für ein Kleid gekauft. Nun ist es ein Rock geworden - auch gut. Die Paspel habe ich wieder selbst hergestellt. Kaufen musste ich dann noch 1,5m Futter und den nahtverdeckten Reißverschluss.


Wie bei meinen Projekten üblich habe ich den Rock gefüttert. So kommt der Rock - rechnet man Oberstoff und Futter zusammen - auf stolze 3m Stoffverbrauch. Also, wenn jemand schnell sein Lager abbauen möchte - dem kann ich so ein Projekt nur wärmstens empfehlen.

Das Nähen ging wirklich fix - ist ja auch nix Exotisches an dem Schnitt. Sehr ungeduldig habe ich die zwei Tage "Teller-Aushänge-Zeit" (sicher ist sicher) abgewartet, bis der Saum sich gesetzt hatte. Finde es immer wieder erstaunlich, wie unterschiedlich sich Futter und Oberstoff ausdehnen.


Mit dem Weihnachtskleid als auch mit diesem Rock habe ich eine für mich neue Rocklänge eingeführt - nämlich bis knapp unters Knie. Bisher war es immer knapp überm Knie. Die "neue" Länge war zunächst ungewohnt, aber stimmig zu beiden Kleidungsstücken, und ich habe nicht das Gefühl, dass mich die Länge kleiner macht.

Einziger Wermutstropfen ist, dass mein Wintermantel (von 2015) für diese Länge zu kurz ist und die Röcke um ein paar cm unten raus schauen. Das finde ich nicht soooo schön, deswegen wird der nächste Mantel (hoffe auf einen Wintermantel-sew-along 2018 *winke rüber zum MeMadeMittwoch*) länger werden. Die taillenkurze Jacke vom Wintermantel-Sew-Along 2016 passt hingegen sehr gut dazu - eignet sich nur eben nicht für den kalten Winter.


Schnitt: bereits fürs Weihnachtskleid angepasster Rockteil von Butterick Schnitt B5984 Variante C, eigener Formbund, Taschen von Hollyburn (Sewaholic)
Material: Soft-Fischgrät aus Polyester+Wolle (Frau Tulpe), Futter, nahtverdeckter Reißverschluss, Einlage (alles ausm lokalen Nähgeschäft), Paspel (selbst erstellt)
Änderungen: Taschen hinzugefügt - dabei den Eingriff vergrößert, keine Naht in der vorderen Mitte des Rockteils
 Fazit: Ich liebe diesen Rock - am liebsten würde ich ihn ständig tragen. Beim nächsten würde ich den Bund anpassen, so dass der Rock in der Taille bleibt.


Infos zum Oberteil:
Schnitt: Nettie von Closet Case Files, Variante mit Scoop Front und High Back
Material: Viskosejersey, Baumwolle, Druckknöpfe, durchsichtiges Framiltonband
Änderungen: Ärmel gekürzt, Rückenteil mit Mittelnaht und Hohlkreuzanpassung.
Fazit: Ich liebe diesen Schnitt. Inzwischen habe ich mind. 15 Stück und den Schnitt zu einem Trägerbody abgewandelt

Kommentare:

  1. Wunderschön! Dir stehen solche Röcke einfach toll und wenn man Dich liest hätte man am liebsten selbst so einen!
    LG
    Martina

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  2. Wunderschöne Bilder, toller Rock.
    Letztes Jahr hatte ich mir auch einen Tellerrock genäht, ihn aber völlig aus den Augen verloren (??!?). Muß ich gleich mal suchen gehen...
    Liebe Grüße!
    Sandra

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  3. Ich finde, sowohl die neue Rocklänge als auch der tiefere Sitz in der Taille stehen dir ganz ausgezeichnet. Superschön.
    Liebe Grüße!
    Ella

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  4. Ja, ich finde auch, dass dir der Rock ganz wunderbar steht! Und das rote Shirt passt super dazu. Hat es was mit dem Älterwerden zu tun, dass der Rocksaum nach unten wandert? Auf alle Fälle sieht die Länge gut aus. LG Christiane

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  5. Ein wirklich schöner Rock, der auch sehr gut an dir aussieht!

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Vielen Dank für deinen Kommentar.

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