Montag, 30. Oktober 2017

Schwesternhochzeit: Das Kleid für meine Mutter

Nachdem ich die Projekte für meine Schwester (Standesamtkleid und Handtasche) und ihren Verlobten (Fliege und Einstecktuch aus Dupionseide) abgeschlossen hatte, konnte ich mit dem Projekt für meine Mutter starten.

Dieses Projekt ist durch Zufall entstanden. Ich hatte für meine Schwester für das Probekleid fürs Standesamt diverse Stoffe bestellt. Sie hatte sich dann jedoch gegen ihre zuerst präferierte Spitze entschieden. Somit hatte ich altrosafarbene Spitze sowie einen Stoff zum unterlegen übrig. Diese hat meine Mutter mit ihren Adleraugen erspäht und meinte, dass, bevor der Stoff unnütz rumliegt, ich ihr doch ein Kleid nähen könnte. Gegen das Argument war nichts zu sagen, schließlich möchte ich mein Stofflager abbauen und altrosa Spitze würde ich für mich selbst auch nicht verarbeiten. Sie meinte dann noch "muss ja auch nichts Aufwendiges sein". Wie hätte ich da nein sagen können. :-)


Meine Mutter wollte auf keinen Fall etwas Anliegendes sowie keine Taillennaht und ich wollte sie  auf keinen Fall in einen Sack stecken. Entschieden haben wir uns für den McCalls Schnitt M6505. Ein Shiftkleid-Schnittmuster aus Spitze mit etwas tieferem Rückenausschnitt. Ich denke, wir haben einen guten Mittelweg gefunden.

Aus Zeitgründen habe ich ausnahmsweise kein Probeteil genäht. Das hat sich sehr ungewohnt angefühlt, gleich den richtigen Stoff anzuschneiden, aber die Spitze von Stoff und Stil war nicht teuer, von dem her wäre es nicht schlimm gewesen. 

Ich hätte gerne das Spitzenkleid so genäht wie vorgesehen, nämlich, dass oberhalb der Brust die Spitze nicht hinterlegt ist und so etwas Leichtigkeit in das ganze Kleid kommt. Dies mochte meine Mutter nicht. Also wurde das ganze Kleid mit Stoff hinterlegt. War halt nicht mehr besonders luftig für eine Hochzeit im Sommer, aber ich musste es ja nicht tragen. :-)

Durch diese Änderung am Schnitt haben sich etliche Nähschritte komplett geändert. Ich war teilweise ganz schön am rätseln, bis ich das alles zusammen hatte. Was aber auch daran lag, dass ich zum ersten Mal Spitze verarbeitet habe und mir die dafür notwendigen "Spezial"schritte nicht geläufig waren. Bei den hinteren Abnähern wurde der Abnäher aus Spitze und dem Underlining (weich fließende edel glänzende Baumwollviskose) zusammen gefasst genäht. Wohingegen die Stoffe bei den Seitennähten und der Brustabnäher einzeln genäht wurden. Bei der Spitze sind alle Nähte französische Nähte, bei dem Underlining und Futter habe ich mit normalen Nähten gearbeitet.

Meine Mutter hat sich sehr über das Kleid gefreut und ich war sehr stolz, dass sie es getragen hat.

Schnitt: McCalls M6505 (Out of Print)
Material: Spitze von Stoff & Stil, "Satin"-Baumwollviskose als Underlining (Karstadt), Venezia Futter als Futter, nahtverdeckter Reißverschluss (lokal), schmales Spitzenband (Ärmelabschluss) (Sewy).
Änderungen: Das Kleid ist komplett dreilagig - vorgesehen wäre, den oberen Teil oberhalb der Brust nur aus Spitze zu Nähen. Ausschnitt ohne Spitzenband (das wäre bei der nur-Spitzen-Variante notwendig gewesen)
Fazit: Für mich wäre der Schnitt nichts, aber für meine Mutter ist es ein guter Schnitt.

Nach dem Projekt war ich dann endlich durch mit den Projekten für Andere und konnte endlich wieder für mich nähen. Das macht mir doch um einiges mehr Spaß und ist nicht annähernd so Nerven aufreibend.

Anmerkung: der Blogpost zu meinem Hochzeitsgastkleid kommt demnächst.

Samstag, 21. Oktober 2017

Schwesternhochzeit: Fliege und Einstecktuch


Passend zum Schwestern-Standesamtkleid hat sich der Bräutigam eine Fliege gewünscht. Ich hatte bis dahin noch nie eine richtige Fliege genäht, aber wofür hat man seine Nähfreundinnen?  Kunterkatha  hat mir ein Nähbuch (hab mir leider den Namen nicht aufgeschrieben) ausgeliehen. Dort war ein Schnitt für eine Fliege enthalten, und zwar eine mit Verschluss. D.h. einmal Fliege binden und gut ist. An- und ausgezogen wird das gute Stück über den unter dem Hemdkragen versteckten Verschluss.

Als Stoff habe ich petrolfarbene Dupion-Taftseide des Brautkleids genommen. Die Seide hatte von sich aus schon einen guten Stand, so dass ich keine weitere Einlage aufbügeln musste.

Das Nähen ging fix, allerdings war das Wenden ein großer Kraftakt und ohne die Hilfe vom Mann hätte ich das Ding in die Ecke gepfeffert. Die Anleitung sieht vor, die Wendeöffnung nicht an den breiten Teilen zu machen, sondern in dem schmalen Bereich, was das Wenden wesentlich komplizierter gemacht hat.

Fliegenverschluss
Die Suche nach dem Fliegen-Verschluss gestaltete sich allerdings als sehr schwierig. Ich habe keine deutsche Bezeichnung dafür gefunden und so blieb meine Suche in deutschen Shops erfolglos. Ich wurde dann über Etsy in einem spanischen Shop fündig. Auf Englisch heißen die Verschlüsse "Bow tie hardware".


Passend zur Fliege habe ich dann noch ein Einstecktuch genäht. Ich dachte bisher, Einstecktücher haben immer die gleiche Größe, aber weit gefehlt. Je nach geplanter Faltung gibt es da verschiedene Größen. Schlussendlich habe ich mich an einem vorhandenen Einstecktuch vom Bräutigam orientiert. In eine Ecke des Tuches habe ich die Initialen vom Brautpaar und ihr Hochzeitsdatum genäht. Für so Sachen ist meine neue Nähmaschine (Pfaff Performance 5.0) echt nicht schlecht.

Die Lumpenlampe war sehr hilfreich beim Rollsaum
 Vor dem Saum mit dem handrollierten Saum hatte ich Respekt, hatte so was noch nie gemacht und sooo filigrane Arbeiten liegen mir nicht unbedingt. Sehr hilfreich fand ich dieses Video von Ami Simms.



Der handrollierte Saum wäre mit einer dünneren Nadel und dünnerem bzw. Seidenfaden sicherlich noch schöner geworden, aber auch so finde ich es für meinen ersten Saum dieser Art als gut geworden. 



Montag, 16. Oktober 2017

AnNäherung Süd 2017 - es war mal wieder toll.

Jede Teilnehmerin stellt kurz ihre Projekte vor. Die Zettel hängen dann vor Ort an einer Pinwand.

Am vergangenen Wochenende fand das Nähtreffen AnNäherung Süd in Würzburg statt. Dieses tolle Event wird von Alexandra (mamamachtsachen.de) organisiert.

Ich konnte zum dritten Mal dabei sein (Blogpost von 2015 und 2016). Vom ersten Treffen in 2015 gibt es sogar eine Podcast-Episode mit vielen Interviews der Teilnehmerinnen.

Nun zurück zum diesjährigen Treffen. Wie bisher auch ging das Treffen von Fr. Mittag bis So Nachmittag. Also genug Zeit zum gemeinsamen Nähen und Quatschen.
Dieses Jahr waren etliche Neue mit dabei. Das fand ich sehr spannend. Wobei es sehr schade war, dass andere bisherige AnNäherungsSüd-Teilnehmerinnen gefehlt haben.

Nachdem alle ihre Plätze bezogen hatten, gab es wieder die Vorstellungsrunde. Dabei stellt jede ihre Projekte fürs Wochenende vor. Eine schöne Gelegenheit, alle kennenzulernen und einen Überblick über die Projekte zu bekommen. Dies waren, abgesehen von ein paar Taschen, alles Kleidungsprojekte.


Für meine Verhältnisse war ich dieses Jahr mit minimalem Gepäck unterwegs und wurde doch mehrmals von Anderen angesprochen, dass ich viel dabei hätte. Also wirklich. Ich war mit nur einer Nähmaschine dort. In der Vergangenheit gerne mal mit 3 Maschinen und mit wesentlich mehr Projekten, da diese nicht so zeitintensiv waren, wie die für dieses Jahr. 

Wie auf dem ersten Foto gezeigt, hatte ich mir drei Projekte mitgenommen. Schaffen wollte ich unbedingt die von einem Mantelschnitt abgewandelte taillenkurze Jacke aus einem curry-senffarbenen Walkstoff. Die beiden anderen Projekte habe ich als "Notfall-Projekte" mitgenommen - entweder, falls ich super schnell fertig werden würde mit der Jacke (hahaha), oder, was wahrscheinlicher gewesen wäre, eine Pause von der aufwändigen Jacke brauchen könnte.

Rückenteil meiner Jacke
Bei der Jacke waren an diversen Stellen Handnähte notwendig (z.B. Windstopper an Oberstoff heften, Ärmelfische, Schulterpolster etc.), und so hatte ich die Gelegenheit, mich immer wieder an die anderen Tische zu setzen und dort zu schauen, was die anderen so machen. In so netter Gesellschaft gehen mir diese Nähte besonders leicht von der Hand und gefühlt dauert es nicht so lange. :-)

Es gab auch "geheime" Absprachen zu einem möglichen weiteren Nähbloggerinnen-Treffen im Süden von Deutschland (ähnlich dem Stuttgarter Nähbloggerinnen-Treffen). Mal sehen, was aus der Idee wird.

Ich war sehr froh, dass ich die Jacke (den Schnitt habe ich bereits zum dritten Mal genäht) auf der AnNäherung genäht habe. Alleine hätte mir definitiv die Motivation gefehlt, ein so aufwändiges Projekt zu nähen. In der netten Gesellschaft war es dann gar nicht sooooo schlimm. Jacken/Mäntel nähen ist einfach nicht meins. Kleider nähe ich da viel lieber. In den letzten zwei Jahren hatte ich die Motivation dank dem Winterjacken-Sew-Along 2015 bzw. Wintermantel-Sew-Along 2016.

Im Endeffekt war es bei mir dann eine Punktlandung. Während die Abschlussrunde, bei der jede Teilnehmerin vorstellt, was sie genäht hat, schon lief, habe ich die letzten Druckknöpfe angenäht und bis ich ich dann dran war, war die Jacke fertig. Fotos gibts demnächst für Euch.

Ich scheine eine Vorliebe für dunkelblau zu haben - sogar der Nagellack (bisschen mitgenommen nach vier Tagen)
passt zufälligerweise zu meinem Nähprojekt

Die Zeit verging wieder wie im Flug. Vielen vielen Dank an Alexandra für die hervorragende Organisation.

Also, falls ihr mal die Gelegenheit habt, zu so einem solchen Event zu gehen - macht das, es ist unglaublich toll. 

Freitag, 13. Oktober 2017

Schwesternhochzeit: ihre Standesamttasche

Cambag Tessa in der kleinen Größe
Zum Standesamtkleid hat sich meine Schwester eine passende Tasche gewünscht und sie wusste praktischerweise auch gleich, wie diese aussehen sollte. Das hat mir die Suche nach einem Schnittmuster wesentlich vereinfacht. Verwendet habe ich das Schnittmuster  Cambag Tessa von Crearesa.de. Habe mit (deutschen) Indyschnitten bisher nicht die besten Erfahrungen gemacht, aber diese Anleitung war gut gemacht: Fotos sind gut erkennbar und der Text verständlich.

Im Schnittmuster sind zwei Größen enthalten. Ich habe die kleine Variante genäht und war überrascht, wie viel dort doch reinpasst. Dachte, mit Smartphone und Taschentüchern ist die Tasche voll, aber da ist noch einiges an Platz.


Für die Tasche habe ich die Dupion-Taftseide in Petrol und Dunkelblau (als Paspel) von ihrem Kleid verwendet. Dazu kam dann noch Kork, sowie ein Schwalbenstoff (hatte sie sich beides selber rausgesucht), sowie ein silbernfarbener Reißverschluss, Paspel und D-Ringe.

Die Idee mit der Kombination der Seide mit dem Kork hatte meine Schwester. Vom Stil her passt das super zu ihr. Ich wäre nicht auf die Idee gekommen.


Eine kleine Änderung habe ich am Schnitt vorgenommen. Der Schnitt sieht eigentlich keine waagrecht rundherum laufende Paspel vor. Dafür musste ich das vordere und hintere Taschenteil anpassen und auf der einen Seite die kleine äußere Reißverschlusstasche einen Tick nach oben versetzen.

Der Träger war um einiges zu lang. Die Originallänge sah zu dem Kleid nicht stimmig aus. Wenn man vor hat, die Tasche quer zu tragen, benötigt man allerdings die im Schnitt vorgesehene Länge. 


Vom Nähen her lief es sehr gut - ein paar Stellen waren etwas kniffelig, aber durchaus machbar. Als kleines Extra habe ich noch die Initialen vom Brautpaar und den Standesamttermin auf die Seite der Tasche genäht (Ein Hoch an meine Pfaff Performance 5.0). Meine Schwester war sehr begeistert und meinte, allein dafür hat sich die neue Nähmaschine schon gelohnt. :-) Naja, die hat noch andere tolle Features.


Auf dem Kork wollte ich keine Markierungen machen und so habe ich diese auf Soluvlies gemacht, dieses mit Klammern auf dem Kork befestigt und dann genäht. Das Vlies lies sich anschließend gut abreißen und den kleinen übrig gebliebenen Rest habe ich vorsichtig mit ein wenig warmen Wasser entfernt.

Schnittmuster: Cambag Tessa von Crearesa.de in der kleinen Variante
Material: petrolfarbene Dupionseide (roterFaden), dunkelblaue Dupionseide (Stoffladen in Basel) für Paspel, Träger und D-Ring-Befestigung, silberfarbener Reißverschluss mit petrolfarbenem Band (Fr.Machwerk), D-Ringe (Alles für Selbermacher), Einlage
Änderungen: siehe Text für Details - Taschenhauptteil wg. Paspel geteilt, Paspeln rund um die Tasche und Träger gekürzt
Fazit: Für den Anlass ist es ein toller Schnitt. Für den Alltag wäre der Schnitt weder für meine Schwester noch für mich was. Wir brauchen da dann schon eher ein Taschenmodell, mit einer wesentlich höheren Ladekapazität (z.B. Arya von Machwerk).


Donnerstag, 5. Oktober 2017

Schwesternhochzeit: Ihr Standesamtkleid


Nachdem inzwischen auch die Fotos bearbeitet sind, kann ich euch endlich das Standesamtkleid meiner Schwester zeigen. Ich habe mich sehr gefreut, dass sie mich gefragt hat, ob ich ihr Kleid nähen würde. Es war mir eine Ehre.

Im Juli hatte ich schon die Probekleider gezeigt, es waren ein (nicht tragbares) Probeteil und zwei tragbare Probekleider notwendig, bis ich mit der Passform zufrieden war.

Das richtige Kleid habe ich aus Dupion-Taftseide von roter Faden genäht. Die Suche nach den Stoffen für das Kleid war sehr Nerven aufreibend. Der Petrolfarbton war schnell gefunden, aber dunkelblaue Dupionseide für die Paspel und Gürtel waren, zu meiner Überraschung, nicht zu finden. Schließlich bin ich bei einem Städtetrip in Basel endlich fündig geworden.


Dies war meine erste Erfahrung mit Dupion-Taftseide und der Stoff ließ sich - abgesehen vom Ausfransen - sehr gut vernähen. Durch die auch für meine Verhältnisse vielen Probeteile, war ich beim Nähen schon warm gelaufen und auch die schwierigen Stellen (z.B. der Übergang vom vorderen Schulterteil zum Kleid) gingen mir leichter von der Hand.

Beim Zurückschneiden der Nahtzugabe am Oberteil ist es dann passiert. Ich habe ein ca. 2cm großes Loch ins Futter geschnitten. Ich war den Tränen sehr sehr nahe. "Ich habe ins Hochzeitskleid meiner Schwester geschnitten!!!!" Erst habe ich überlegt, ob ich das vordere Oberteil neu nähe, aber ich hätte auch alle Teile aus Seide neu zuschneiden müssen, da alle Nahtzugaben schon zurückgeschnitten waren und der ausfransende Stoffe das nicht mitgemacht hätte. Stoff hätte ich auch nachkaufen müssen, bei einem so hochwertigen Stoff hatte ich nur die benötigte Menge bestellt. Ich habe dann meine Schwester gefragt, was ich machen soll und sie meinte nur: "Sieht man es von außen?" ... Ich: "Nein, ist nur innen." ... "Na, was bist Du dann so traurig, man sieht es doch nicht." :-) Da ist mir ein großer Stein vom Herzen gefallen.

Passend zum Kleid gab es dann noch einen Gürtel aus Dupionseide mit dunkelblauer Spitze, sowie dunkelblaues Spitzenband für ihre Schuhe.

Von Chrissy hat meine Schwester den zum Kleid passenden Petticoat geschenkt bekommen. Vielen vielen Dank, liebe Chrissy.

Braut und Bräutigam
Von mir sind:
Bei ihr: Kleid, Gürtel und Schuhband
Bei ihm: Fliege und Einstecktuch

Schnittmuster: Vogue V8280 genannt GalaxyDress (Out of Print), Tellerrock
Material: Dupion-Taftseide in Petrol, Batist (Oberteilfutter), Neva Viscon Futter (Rockteil), Dupionseide Dunkelblau für die Paspel und Gürtel, Spitze für Gürtel, nahtverdeckter Reißverschluss
Änderungen: Siehe Probeteil-Blogpost.
Fazit: Wie schon im Probeteil-Blogpost geschrieben, würde ich das Schnittmuster nicht empfehlen.

Ich wünsche den Beiden alles Gute. Sie sind ein so tolles Paar. 

Auf euch kommt jetzt noch eine kleine Flut an Blogposts rund um die Hochzeit zu. Von mir sind noch ihre Handtasche, seine Fliege & Einstecktuch, das Kleid meiner Mutter, mein Hochzeitsgastkleid fürs Standesamt und das für die kirchliche Hochzeit, sowie noch die jeweils passenden BHs zu meinen Kleidern. Ach ja und noch der Fascinator fürs kirchliche Hochzeitsgastkleid.

... und abends hat sie dann noch die schicken Stiefel rausgeholt


Sonntag, 1. Oktober 2017

Hosen und ich: mal was ganz Anderes: ein Overall (Wearinghistory)




In den letzten Jahren ist mir alle paar Monate der tolle Overallschnitt von Wearinghistory über den Weg gelaufen. U.A. von JungscheBack to Blighty Vintage, Pinhouseplaymate, FlashbacksummerStar-Spangledheart). Das Schnittmuster fand ich von Anfang an Klasse, wusste aber nicht, warum ich so was brauchen könnte.

Beim Rock´n´Roll Weekender (Walldorf) mit Mann und Freundin (bei dem ich auch meinen Alltagspetticoat gekauft habe) hatte auch PoppyRay einen Stand. Ich fand es sehr nett, sie kennen zu lernen (inzwischen konnte ich sie auch in ihrem Studio in Berlin besuchen). Vor dem Walldorf Weekender war sie für mich "nur" ein Instagramprofil mit Shop.
Auf ihrem Blog interviewt PoppyRay Lauren, die Gründerin von WearingHistory.

Die Wearinghistory-Schnittmuster sind eher im höheren Preissegment angesiedelt, weswegen ich auch in den vergangenen Jahren immer gezögert habe, mir diesen so ganz ohne Anlass zu kaufen. Somit stand ich vor dem Schnittmuster und habe es wiedereinmal angehimmelt. Meine Freundin konnte sich mein Leiden wohl nicht anschauen und meinte, ich hätte eh noch nen offenen Gutschein bei ihr ... der wird jetzt zum Schnittmustergutschein umgewandelt und sie hat mir spontan diesen wirklich sehr teuren Schnitt geschenkt. Ich war baff. @A.: Vielen vielen Dank dafür. Da ich in diesem Jahr für mich wieder das "Hosen-Motto" ausgerufen habe, passt das sehr gut. 

Vor Ort war ich mir unsicher wegen der Größe, ich lag genau zwischen zwei Größenspektren und hatte zur Sicherheit die Größere gekauft. Daheim kamen mir dann doch Zweifel. Dank dem tollen Service von PoppyRay wurde mir auf dem Postweg das Schnittmuster ausgetauscht. Größentechnisch bin ich jetzt am oberen Ende der Größenskala von Paket A.


Knopfleiste:
5x Jeansknöpfe und 1x Druckknopf (versteckt sich hinter der Tasche)
Das Schnittmuster basiert auf einem originalen 40er-Jahre-Schnittmuster. Für mich ist es das erste richtige "alte" Schnittmuster. Bisher hatte ich nur neu aufgelegte von Vogue/McCalls etc. genäht, bei diesen sind die Anleitungen auch für moderne Bedürfnisse geschrieben. 
Das Schnittmuster ist für "intermediate Sewist" gedacht und ich muss sagen, ja das stimmt. Man muss schon mehr mitdenken, wie bei den neueren Schnittmustern. Mit ein paar der Markierungen konnte ich nichts anfangen - die habe ich dann ignoriert.

Die Anleitung sieht für das Oberteil nur ein Schrägband als Beleg vor. Die Verarbeitung gefiel mir nicht so und so habe ich, eben so wie etliche andere Näherinnen dieses Schnittes, das Oberteil komplett gefüttert. Dadurch kam es zu etlichen Änderungen in der Anleitung. Im Endeffekt habe ich auch durch meine noch hinzugefügte Absteppung die Anleitung für mich nochmal neu geschrieben.

Es wird bei dem Schnitt explizit darauf hingewiesen, dass ein Probeteil notwendig ist. Da die im Schnitt enthaltene Mehrweite geringer ist als es heutzutage bei Schnittmustern üblich ist. Das Probeteil war schnell genäht. An der Hose habe ich außer der Länge nichts geändert. Beim Oberteil habe ich zwei Probeteil gebraucht.

Nachdem der Probeoverall schnell genäht war, hatte ich die Zeit, die ich für den richtigen Overall brauchte, vollkommen unterschätzt. Dachte, ich könnte den Overall im Laufe des Nähtreffens von Isabell fertig stellen, aber ich bin nicht mal ansatzweise fertig geworden. Das Absteppen hat ewig gedauert, sodass ich am Ende des Treffens noch nicht mal ne fertige Hose hatte, sondern nur Einzelteile (Träger, Oberteil, Oberteilfutter, halb fertige Hose).


Cecilia (Cecilia_Theresa_Design) hat bei dem Treffen ihre Ginger Jeans genäht und so haben wir uns meine gute alte Nähmaschine sowie ihre Ovi geteilt. Abgesteppt haben wir jeweils mit unseren normalen Nähmaschinen (in meinem Fall die Pfaff Performance 5.0 - genannt "SchnickSchnack").
Letztes Jahr, als ich meine Ginger Jeans genäht habe, hatte ich noch nicht meine neue Nähmaschine, sodass ich Absteppen und Nähen mit einer machen musste. Das war schon sehr nervig mit dem ständigen Umfädeln. Mit zwei Nähmaschinen lief es schon viel entspannter.
Trotzdem war das Absteppen nicht ohne. An ein paar Stellen, gerade dort wo viele Lagen Jeans aufeinander waren, wurde der Oberfaden immer mal wieder nach unten gezogen. Das war nervig, aber so konnte ich "endlich" mal wieder den Nahttrenner verwenden.

Ich hatte meine gute alte Nähmaschine seit ein paar Monaten nicht mehr selbst genutzt (sie war nur noch für Nähgäste im Einsatz), sodass ich am Anfang an nervösen Oberschenkelzuckungen (fehlender Kniehebel) gelitten habe. :-) So, wie ich auch gerne mal vergessen habe, am Anfang zu vernähen, oder mit dem Fuß oben losgenäht habe. Es ist schon erstaunlich, wie schnell man sich an den  computergesteuerten Schnickschnack gewöhnt. Nach ein paar Nähten war ich aber wieder drin. Da ich meine alte nicht wegen Problemen, sondern nur wegen fehlendem Schnickschnack getauscht habe, hatte ich keine bedenken, die alte für ein Projekt einzusetzen.

Die Probehose hatte ich ohne Gesäßtaschen, wie im Schnitt vorgesehen, genäht. Dann haben mir doch Taschen gefehlt und ich habe die Ginger Jeans Tasche dort aufgenäht. Die habe ich für die richtige Version auch vorbereitet, inkl. Absteppung und dann schlussendlich nicht verwendet, da mir die Optik ohne Potaschen doch besser gefallen hat.

Vielen Dank an den Mann, der mir bei dem Anzeichnen der Knopflöcher, dem Anbringen der Jeansknöpfe und dem Hosensaum geholfen hat. 



Weitere Infos zum Schnitt:

Im Schnitt wird nicht erwähnt, wo Einlage rein soll oder ob überhaupt. Ich habe an folgenden Stellen Einlage verwendet:
Oberteil: Im Bereich der Knöpfe für die Träger bei Futter und Oberstoff G785, eigentlich wollte ich noch G785 im Bereich der seitlichen Knopfleiste, die hab ich dann aber vergessen.
Frontfacing, dort gehen die Knopflöcher durch: G740
Backbinding, an dem Teil werden die Knöpfe befestigt: G785, würde beim nächsten Mal die festere G740 verwenden
Träger: eine Seite jeweils komplett G785, bei der anderen nur die Spitze, wo später das Knopfloch ist.


Damit der Übergang von Einlage zu Stoff nicht zu abrupt ist, habe ich die Kanten bei allen Teileinlagen mit dem Zackenrollschneider zugeschnitten.

Eine Anmerkung noch: Laut Anleitung sollen die Schnittteile 7+8 doppelt zugeschnitten werden, diese werden aber jeweils nur 1x benötigt.

Schnittmuster: 1940s Overalls, Playsuit, & Trousers Pattern von WearingHistory, Size Pack A, gekauft bei PoppyRay
Material: Jeans (vom Nähkontor), Prym Jeansknöpfe (lokal), Batist (Oberteilfutter, FrauTulpe), Einlage G740 und G785, Absteppungen mit Jeansgarn, 1x Druckknopf
Änderungen: Hose um einiges gekürzt, Einlage verwendet - siehe Text für Details, Oberteil gefüttert (anstatt Ausschnittbinding), Oberteil um ca. 1-1,5cm gekürzt (inkl. Binding und Facing). An der Knopfleiste zu den fünf Jeansknöpfen noch hinter die Tasche ein großer Druckknopf.
Änderungen fürs nächste Mal: Schritt ist zu tief. Keine Ahnung, warum mir das beim Probeteil nicht aufgefallen ist. Es stand sogar im Schnitt, aber mir kam das Probeteil nicht sooo tief vor. Aber ich müsste beim nächsten Mal da definitiv noch was wegnehmen. Oberteil hintere Mitte nochmal überprüfen, da könnte noch ein Keil weg.
Fazit:  Ich finde mich in der Hose sehr "süß". Hatte etwas Bedenken, dass ich mich darin "rustikal" fühle, aber dem ist nicht so. Obwohl mir der Schnitt echt gut gefällt, kann ich mir momentan noch keine weitere Version vorstellen. Jetzt muss sich das gute Stück erst Mal in meinem Alltag bewähren. Wo ich den anziehe, weiß ich noch nicht. Für die Arbeit kommt mir das Teil im Vergleich zu meinen Kleidern schon sehr leger vor. Mal sehen.



Frau Kirsche hat eine ähnlichen Overall (Instagramprofil ist privat), den sie mit der Smooth Sailing Bluse von Wearing History kombiniert. Die Kombination gefällt mit sehr gut. Ich brauche jetzt auch so eine Bluse. Bin mir nur nicht sicher, ob die Bluse dann auch brav an Ort und Stelle bleibt oder sich komisch hocharbeitet. Ich werde es dann sehen.

Aber als nächstes steht jetzt der Rosie Overall von Mika Oh! an:


Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...

Kontaktformular

Name

E-Mail *

Nachricht *